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Harter Boden - feiner Wein.

Vielleicht einer der besten Rotwein-Berge der Welt. Leider viel zu klein. (Michael Broadbent)

Der Eisenberg liegt in Österreich wie in Ungarn und ist eine Paradelage für Blaufränkisch. Wer totale Ruhe und mineralische Rotweine sucht, liegt hier richtig. Unterschiedliche Qualitätsphilosophien sind bis heute spürbar.Christoph Wachter liebt "seinen" Eisenberg.

Harter Boden - feiner Wein.
Typisch für den Eisenberg - das Kellerstöckl.
Weblinks
Verkostungsnotiz


Es ist diese Ruhe hier am Eisenberg, die selbst Neulinge in den Bann zieht. Hier ist man abgekoppelt, den Alltagsstecker aus der Dose gezogen, weitab der lauten Metropolen. Im Anbaugebiet Südburgenland fühlt man sich ein wenig wie in der amerikanischen Prärie. Die 500 Hektar kleine Weinregion liegt direkt an der Grenze zu Ungarn. Zu Zeiten des Eisernen Vorhangs war hier bei beiden Seiten das Ende der jeweiligen Welt. Doch eine verschlafene Randregion ist sie noch heute.

Der idyllische Eisenberg ist zweigeteilt: Der westliche Teil liegt in Österreich - der östliche in Ungarn. Zwar ist es seit Jahren möglich, den ungarischen Teil freizügig ohne Kontrollen zu betreten, zusammengefunden haben beide Teile bis heute nicht. Ein spürbares Qualitätsgefälle beim Weinbau klafft zwischen den Hälften: hier der wiederentdeckte österreichische Teil des Eisenbergs, dynamisch und wohl wissend, welche hervorragenden Qualitäten man hier mit der Blaufränkisch-Rebe erzeugen kann. Einige Rotweine von hier werden international hofiert und in Weinguides hoch bepunktet.

Auf der anderen Seite der ungarische Teil, der manchmal einen verwaisten Eindruck macht. Auch hier wächst Blaufränkisch, der in Ungarn traditionell nicht sonderlich geschätzt wird und am ungarischen Eisenberg gern als Kanisterware den Weg zum Konsumenten findet. Die alte Eindrahterziehung der Reben aus kommunistischer Zeit zeugt von Stagnation.

Österreich - Ungarn. Immer schon ungleich.

Österreich - Ungarn. Immer schon ungleich.
Steile Hänge hat er und kesselförmig ist er, der Eisenberg.


Von einem Boom kann auf dieser Seite nicht die Rede sein. Blaufränkisch (dort Kékfrankos genannt) bekommt am ungarischen Teil nicht die Aufmerksamkeit, die ihm gebührt. Hier am Eisenberg prallen die Weinbauphilosophien zweier Länder aufeinander.

Mit Christoph Wachter stehe ich auf österreichischer Seite am oberen “Hummelgraben”, einer Lage 250 Meter entfernt von der Grenze. Man kann rüber schauen zur den ungarischen Kellerstöckln - die Menschen dort an den kleinen Häuschen werken sehen. Der obere “Hummelgraben” ist eine Hanglage mit 20 % Steigung und bei Wachter-Wiesler mit über 30 Jahre altem Blaufränkisch bestockt. Da sich dieses Filetstückchen aufgrund seiner steileren Lage vom restlichen “Hummelgraben” unterscheidet, benennt man es betriebsintern “Steinweg”. Die Blaufränkisch von hier stehen für elegante Mineralität und kühler Stilistik und pikanter Säure.

Der Junior ist jetzt der Boss.

Der Junior ist jetzt der Boss.
Kostproben bei den Wachter-Wieslers. Der Winzer riecht.


Im Betrieb ist Christoph Wachter seit 2008 allein für die Weine und Stil verantwortlich. Was für einen damals Zwanzigjährigen eine Bürde sein musste, ist in Wirklichkeit abgeklärte Routine. Wein und alle drum herum gehört bei ihm seit seinem Kindesalter dazu. Und doch denkt er nicht daran, den Stil der Väter zu kopieren. “Weg vom Holz” heißt sein Credo. Die Weine sollen klarer, bodengeprägter, eleganter werden und sich ohne Holzkeule puristischer zeigen. Die Rote Karte zeigt Christoph Wachter-Wiesler dem österreichischen Rotweinstil der 90er, der noch heute in den Köpfen vieler Konsumenten und Winzer festgesetzt hat. Wo ermüdender Mainstream herrscht, ist stets eine Gegenbewegung im Gange. Christoph Wachter-Wiesler ist im Südburgenland ein Teil von dieser.

Rotwein dominiert.

Rotwein dominiert.
Christoph Wachter erklärt die jüngere Geschichte des Eisenbergs.


Neben Blaufränkisch ist Zweigelt, Merlot und der weiße Welschriesling im Programm. Ein echter Geheimtipp scheint der spontan vergorene Weißburgunder zu sein, der von einer Kalklage “Königsberg” nördlich des Eisenbergs stammt. Das Weißburgunder, ebenso wie Chardonnay, auf diesen Kalkboden all seine Facetten ausspielt, ist bekannt. Klassische Rotweincuvées, die die einheimischen Rebsorten mit den Internationalen wie Cabernet Sauvignon und Merlot vereinen, fehlen nicht, spielen aber im Selbstverständnis des Weingutes nicht mehr die ganz große Rolle wie noch vor einigen Jahren. Heutzutage wird reinsortig ausgebauter Blaufränkisch hofiert, der neue alte Liebling der Österreicher. Und das ist gut so.

In Deutsch-Schützen, einem kleinen Weindorf 5 Kilometer südlich des Eisenbergs, hat das Weingut seinen Sitz und ist regional eine feste Größe. Neben dem Weingut betreibt die Familie das moderne Restaurant “Ratschen” mit kleiner Gebietsvinothek im Keller. Wer hier stilvoll übernachten will, kann seit 2011 die sogenannte “Wohnothek” buchen: minimalistische Einzelhäuser im Holzquaderformat mitten in den Weinbergen von Deutsch-Schützen. Gute Weine, gutes Essen, gutes Wohnen. Hier bei Wachter-Wiesler kommt alles aus einer Hand.

Frisch verkostet.

Frisch verkostet.
Hauptsächlich rote Reben werden am Eisenberg angebaut. Lockerbeerig, mit kleinen Beeren, das sind die besten Trauben.


Welschriesling 2011 (12,5 % vol.):
Einfache Zitrusnoten, Trockenmoos, frische Säure, schlankes Mundgefühl, ordentlicher Abgang. Kurzweiliger Sommerweißwein.
81 Punkte.

Blaufränkisch Béla-Joska 2010 (13,0 % vol.):
In der Nase junge rote Beeren, dezent laktisch, am Gaumen spitze, etwas deplatziert wirkende Säure, dünnes Fundament, kurzer Abgang. Hat mit dem problematischen Jahrgang zu kämpfen, ich kenne ihn sonst deutlich besser.
82 Punkte.

Blaufränkisch Pfarrweingarten Eisenberg DAC Reserve 2009 (13,0 % vol.):
In der Nase elegante Kräuterwürze, sehr Blaufränkisch-like, etwas Rauch, zu Anfang spürbare Holznote, die sich mit Luft in den Wein einbindet, angedeutete feine Gerbstoffe. Sehr guter Abgang.
88 Punkte.

Blaufränkisch Steinweg 2009 (13,5 % vol.):
Vielschichtige Nase, leichter Tabak, etwas Walnuss, schwarzer Pfeffer. Auch hier ebenfalls dezente Holznoten, macht sich aber gut. Elegante Säure, dazu die deutliche Mineralität des Schieferbodens, bissfester, langer Abgang. Ein fabelhaftes Gesamtbild. Legt vermutlich mit Lagerung deutlich zu.
92+ Punkte.

Die Weine von Wachter-Wiesler gibt es z.B. bei Wagners Wein-Shop.
www.wagners-weinshop.com/onlineshop/view/wein/oesterreich/sadburgenland/wachter-wieser.html
© by Helmut Knall
last modified: 2012-09-18 03:00:27

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