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40 Jahre und schon ein bisschen greise - Sauternes aus 1967.

Der Jahrhundertjahrgang auf dem Prüfstand. Er sollte zeigen, ob er seinem Ruf gerecht wird.

26 Chateaus standen zur Verkostung bereit. Wieder war die Frage, ob die arrivierten ihren Ruf bestätigen können und ob die eine oder andere Entdeckung dabei sein würde.

40 Jahre und schon ein bisschen greise - Sauternes aus 1967.
Gut erhaltene Flaschen harren der Verkostung.
Weblinks


Die Probe der Jahrgänge 1928/29 brachte genau solche fantastischen Entdeckungen ins Rampenlicht, etwas was das gewisse Etwas ist.

Jürg Richter hat mal wieder eine beachtliche Probe auf die Beine gestellt. Für jene die schon öfters seine Proben besucht haben, nicht Neues. Der Lindenhofkeller in Zürich, Ort des Geschehens, steht dem in nichts nach. Eine sehr empfehlenswerte Adresse um Essen und Wein zu genießen. Jeweils in 5er Flights, blind ausgeschenkt, kamen die Weine an den Tisch. Genug Zeit die Weine zu verkosten, nur der Rene Gabriel in seinem unbändigen Drang, drückte manchmal etwas zu sehr aufs Tempo. Wie aber immer ein sehr unterhaltsamer Moderator, der mit manchen Anekdoten den Teilnehmern ein herzhaftes Lachen aufs Gesicht zauberte.

Die Bedingungen in 1967.

Die Bedingungen in 1967 waren zwar perfekt, aber nicht ohne die Nerven der Winzer zu strapazieren. Ein milder Winter war der Ausgangspunkt. Sehr spät setzte die Blüte ein und eine relativ späte Ernte war die logische Folge davon. Juli und August waren sehr heiß und trocken. Der fast komplett nasse und kalte September war eine Gefahr für die Gesundheit der Trauben, diese ist unbedingt notwendig, um eine saubere Botrytis zu bekommen. Am Ende des Monates hat sich, glücklicherweise, die Sonne durchgesetzt und zusammen mit der einsetzenden Botrytis eine grandiose Qualität der Trauben ergeben.

Auf D’Yquem zum Beispiel begann die Ernte am 26. September und man schloss diese am 25. Oktober ab. Übrigens war dies der erste Jahrgang für den Alexandre de Lur Saluces, die vollumfängliche Verantwortung hatte.

Botrytis und der richtige Zeitpunkt.

Botrytis und der richtige Zeitpunkt.


Botrytis Cinerea ist der vollständige Name des Schimmelpilzes, der die meisten edelsüßen Weine erst möglich macht. Er befällt aber nicht nur Weintrauben sondern auch Obst, Gemüse und auch Zierpflanzen. Jedoch ist sein Vorkommen an die gemäßigten Klimazonen auf der Erde gebunden.

Ausschlaggebend für sein positives Wirken ist der Zeitpunkt an dem Botrytis Cinerea auftritt. Der Befall der Trauben mit Botrytis Cinerea muss bei bereits reifen Trauben geschehen, also relativ spät im Jahreszyklus der Rebe. Idealerweise sind die Nächte kühl und trocken und die Tage warm und feucht. Befällt der Pilz die Traube im unreifen Zustand, also zu früh, dann spricht man von der Graufäule und nicht von Botrytis. Im Inneren der Traube wird dann Beere für Beere befallen, sprich die Perforation der Beerenhaut die durch den Pilz hervorgerufen wird, lässt Saft austreten. Dieser Saft verursacht ein Faulen der Trauben von innen heraus. Resultat ist, dass der Zuckeraufbau in der Beere gestoppt wird. Hier spricht man dann von Sauerfäule. Es ist dann nur noch ein kleiner Schritt bis hin zur Essigfäule.

Zusammengefasst wirkt Botrytis Cinerea wie folgt: Der Pilz durchsetzt die Beerenhaut mit winzigen Öffnungen. Durch diese entweicht das Wasser, die restlichen Inhaltsstoffe konzentrieren sich und die Beere schrumpelt rosinenartig ein. Des Weiteren wird der Säuregehalt vermindert und die Primäraromen der Rebsorte werden sprichwörtlich kaputt gemacht. Daher die typische Aromatik nach dunklem Waldhonig und Karamell, um nur zwei zu nennen, wenn die Beeren von Botrytis befallen waren.

1967 im Vergleich.

1967 im Vergleich.


Wie 1921, 1928, 1929, 1937, 1945, 1947, 1947, 1955, 1959, 1971, 1975, 1983, 1989,1990, 1996, 2001, 2003 und 2005 zählt 1967 zu den ganz großen Jahrgängen im Sauternes.

Diese Probe ließ zumindest Zweifel an der Zugehörigkeit des 1967 zum Klub der Giganten, wie 1921 oder 1929 es zweifellos sind, aufkommen. Wiesen doch einige Top Chateaus eine „Leichtigkeit“ auf die nachdenklich machte. Allgemein ist der Jahrgang 1967 im Moment und noch weitere 5-10 Jahre auf dem Zenit. Die extreme Langlebigkeit wie 1929 es aufweist, hat 1967 sicherlich nicht. Die konzentrierte und kompakte Süße fehlt bei vielen Weinen. Weiteres Merkmal hierfür ist, dass bei einigen die ganz große Länge fehlte oder aber der Alkohol kam im Abgang spürbar durch. Vielleicht lag es ja auch an der damals allgemeinen schlechten Stimmungslage im Bordelais, dass nicht alles Potenzial des Jahrganges ausgeschöpft wurde.

Hingegen konnte man bei vielen Weinen eine sehr schöne Eleganz mit frischer Säure und dezent unterlegter Mineralität feststellen. Immer einzubeziehen ist die Flaschenvarianz, so ist ein Climens normalerweise deutlich besser wie in dieser Probe.

Wie immer lagen die Meinungen bei einigen Weinen deutlich auseinander. Letztendlich sind es aber gerade diese differenten Meinungen, die untereinander ausgetauscht werden und zu Diskussionen führen, sehr wichtig. Man überdenkt die eine oder andere eigene Bewertung nochmals, erkennend das man nicht unfehlbar ist.
Noch ein Wort zu den vermeintlich schwächeren Weinen. Mit Ausnahme von Doisy-Daëne, De Malle und Les Justices waren alle Weine zumindest noch gut trinkbar. Man sollte sich daran erinnern dass die meisten dieser Weine von eher kleinen Weingütern kommen, 40 Jahre alt sind und nicht für solch eine lange Lagerung gemacht wurden. Welche Rotweine in dieser Kategorie sind heute nicht purer Essig oder stellen für die Geschmacksnerven ein Gang nach Canossa dar? Da müssen meistens auch die großen Namen der Rotweinwelt passen.

Die Verkostungsnotizen.

Die Verkostungsnotizen.
1. d’Arche Lafaurie: Offene feingliedrige tiefe Nase, Milchreis, Cognac-Anklänge, rauchig, geröstete Mandeln & Nüsse, gewinnt deutlich mit Luft. Am Gaumen sehr balanciert, elegant, mittlere Struktur, wieder etwas Cognac, etwas Überreife aber auch getr. Birnen, eigen aber nicht so schlecht, im mittleren Abgang etwas alkoholisch. Gut weitere 5-7 Jahre zu trinken.

2. d’Arche - Crème de Tète: Wunderbar tiefe & sehr komplexe Nase, Cognac, dunkles Karamell, flüssiges Creme Brûlée, gebrannte Mandeln, aber auch minzig & ätherisch, Riccola, etwas Kaffee & Bitterschoko. Am Gaumen volle & füllige Struktur, nicht der elegante jedoch der kraftvolle Wein, Sahne, Panna Cotta, kühle Art, reife Birnen, wieder Creme Brûlée, reife Melone, wunderbar langer - voller - cremiger - sahniger Abgang. Weitere 15+ Jahre. Klasse!

3. Bastor-Lamontagne: Offene Nase, Cognac Aromen, balanciert, helle cremige Art, Touch frische Kräuter, Heu, Tiefe fehlt etwas. Am Gaumen wuchtig aber Extrakt fehlt, wirkt etwas hohl & leer am mittleren Gaumen, scharfe Säure, leicht mineralisch, gedroschenes Korn, Aprikose, Banane, auch hier fehlt Tiefe, mittlerer frischer Abgang. 5 Jahre.

4. Climens: ausgezehrte & staubig wirkende Nase, flüchtige Säure & luftig. Am Gaumen besser, mittlere Süße, Wachsnoten, etwas helles Kernobst, helles Karamell, eindimensional, eher kurz, wird mit der Zeit etwas besser. Flaschenfehler?

5. Coutet: Sehr helle Nase, Blüten, Zitrone, Tiefe & Komplexität fehlt, leicht unsauber was aber verschwindet. Am Gaumen frische leicht säuerliche Art, wenig Süße, wenig Tiefe, wenig Substanz für Sauternes - aber ein perfekter Aperitif Wein. Bald trinken.

6. Cretelle Fergeux: offene Nase, gebräunte Butter, Creme Brulee, etwas Safran & Vanille, Tiefe fehlt. Am Gaumen frische Art, gewisse Saftigkeit, leichte Struktur, helle Aromatik, frisches helles Obst, Touch Orangenschale, relativ kurzer, alkoholischer & abflachender Abgang, schöner Aperitif – nicht mehr.

7. Cameron – Contigu Rabaud-Promis: Sehr kompakte satte Nase, nicht ganz klar – etwas Flüchtige mit Patexnoten. Am Gaumen wieder Flüchtige & Patex, unsauber, etwas dumpf, Melasse, Touch malzig, frische Säure, helle Tropenfrüchte, getr. Aprikose, mineralisch, recht guter, leicht alkoholischer & unsauberer Abgang. Evtl. schlechte Flasche – man hat das Gefühl der Wein ist eigentlich besser. Bald trinken.

8. Doisy-Daëne: Oxidiert, käsig, unsauber, Klebstoff. Gerade noch trinkbar.

9. Doisy-Védrines: Keine Notizen.

10. De Fargues: Offen & sehr komplex, feines Korn & Keks, malzig, Melasse, Cognacnase, etwas Rosinen, warmer Tabakrauch, hochelegant & vielschichtig, feminin, Eleganz! Am Gaumen druckvoll, tolle Mineralität & Säure, satte Vanille, etwas minzig, mit Luft kommen die dunkeln Aromen wie Riccola, Waldhonig, geröstete Nüsse, wieder eine wunderbare Eleganz, sehr langer dunkler Abgang. Weitere 15 Jahre. Klasse!

11. Filhot: Anfangs Kartonage & unsauber, gedroschenes Korn, Orangeat, Zitronat, gewisse Teife, nach 15 Minuten frisch wirkend. Am Gaumen trocken, säurebetont, leichte schlanke Struktur, deutlicher Sémillon Touch, etwas mineralisch, Butterkekse, frische Aprikose, wird mit Luft balancierter, recht guter Filhot, 5+ Jahre auf diesem Niveau.

12. Guiraud: Sehr elegante & komplexe Nase, balanciert wirkend, cremig-schmelzig, Riccola, Schoko, etwas Kaffee & Rosinen, Melasse, alles sehr Finessenhaft verwoben. Am Gaumen satte Art mit Power, deutliche Mineralität die würzig wirkt, dunkler Waldhonig, Melasse, Touch bitteres Karamell, im Hintergrund reife präsente Säure, langer leicht alkoholischer Abgang in dem die Süße etwas nachlässt, toller Wein mit weiteren 10-15 Jahren.

13. Guiteronde: Eher dez. & helle Nase, helle frische Früchte, etwas Safran & auch Curry, Zwieback & Brioche, Touch heller Honig, sehr wenig Botrytis anzeigend. Am Gaumen satte oberflächliche Süße, wirkt wie frisch verkorkt & mit neuerem Wein aufgefüllt – dem ist aber nicht so, zuckrig, Birnenmus, frische Säure, monolithischer aber auch exotischer Wein mit Substanz, hat was, nach ca. 20 Min. scheint sich der Wein zusammenzufügen, langer von satter & süßer geprägter Abgang, weitere 5-8 Jahre. Mir unbekanntes Chateau – tolle Überraschung!

14. Les Justices: Saure Milch, Urin. Untrinkbar.

15. Lafon – Contigu a Yquem: Nugat & helle Schokolade, würzige Vanille, dunkler Tabak, nasser Schiefer, mit Luft kommt Riccola & eine große Komplexität dazu. Am Gaumen deutliche Mineralität die wieder an nassen Schiefer erinnert, hochreife & getrocknete Aprikose,Pfirsich, etwas reife Kiwi, tolle reife Säure, untypische aber mineralisch-traubige Süße (erinnert ein bisschen an die Süße von Eszencia’s), etwas Muskat & Pfeffer, reife Zuckermelone, extrem langer wieder von traubiger/rieslingartiger Süße getragener Abgang, sehr sehr eigen & untypisch aber ein großer Wein. 10+ Jahre.

16. Lafaurie-Peyraguey: Vorab - ein massiver Unterschied von Nase zu Gaumen! Helle Nase, Zwieback, Brioche, Safran, Touch Kamille, elegant aber wenig Tiefe. Am Gaumen druckvoll, satte komplexe & ausladende Süße, spürbare aber reife Säurestruktur, Quitte & Mirabelle, dez. Zuckerrübensaft, Touch malzig, sehr langer & komplexer Abgang der nicht abflacht. Weitere 10-15 Jahre.

17. De Malle: Kandierte Ananas, geröstete Mandeln, wirkt unsauber, Plastik, Flüchtige, flach. Am Gaumen medizinal – Zahnarzt, sehr säuerlich, kurz, nicht trinkbar.

18. Mont-Joye: Unsauber, flüchtige Säure, Plastikbecher, etwas unreife helle Zitrusfrüchte & gedroschenes Korn. Am Gaumen frisch, saftig, aber sehr kurz & nichtssagend, noch Ok, austrinken.

19. Nouton: Dez. Helle Nase, feines Korn, heu, sehr helles Karamell, medizinal. Am Gaumen unsauber, flach, wenig Substanz, deutliche Säure, OK. Sofort trinken.

20. Rabaud-Promis: Säuerliche dez. Nase, Zitrusfrüchte, etwas Zwieback & Biskuit, eher flach & staubig wirkend. Am Gaumen leicht scharfe Säure & alkoholisch, wenig Tiefe, frisch, wie halbtrockener Weißwein, kommt nach 15 min. etwas besser, eher eindimensional, angenehmer Abgang – wurde von einigen besser gesehen. Es fehlt an allem.

21. Rayne-Vigneau: Oxidativ, nicht ganz klare Nase, muffig, braucht sehr viel Luft um besser zu werden –keine Offenbarung. Am gaumen dito, Flüchtige säure, alkoholisch, brandig???

22. Rieussec: Zuerst viel laktische Noten, dann frische Vanille, heller Honig, Panna Cotta, gebrannter Zucker. Am Gaumen deutliche Säure, dez. mineralische Note, würzig, mittlere Süße mit Rasse, getr. Aprikose & Pfirsich, Mirabelle, Touch Rosine, eher schlanker langer Abgang dem der Druck aber fehlt. Für aber mich enttäuschend. Weitere 10 Jahre.

23. Roumieu: Dez. elegante Nase, Tiefe, Brioche, Butterkeks, junge Banane, etwas gebräunter Zucker, Touch blumig, Touch Kokosraspeln – eigen aber sehr interessant. Am Gaumen rassig, elegant, pikante Säure, deutliche Mineralität, mittlere Süße die hier aber passt, Semillon Touch, kalkig, Orangen, Limonen, mit Luft kommt etwas Botrytis durch, sehr langer rassiger Abgang. Untypisch aber sehr gut. Weitere 5-8 Jahre.

24. Suduiraut: Kühle mentholige Nase, Minze, Panna Cotta, gebräunte Butter, alles sehr dezent aber mit Finesse. Am Gaumen saftige frische Art, feine mineralische Noten, mittlere Struktur, etwas oberflächliche Süße, gewisse Eleganz, aber irgendwie eine schwieriger Wein & ich muss gestehen ich kam nicht klar mit dem Wein - deshalb keine Wertung.

25. La Tour Blanche: Braucht Luft, kühle leicht mentholige Art, mittleres Karamell, etwas Bergkräuter, Zwieback, leichte helle Nase, Touch sahnig, mittlere Komplexität. Am Gaumen frische Säure, feine unterlegte Mineralität, eher filigrane Struktur, heller Honig, wieder etwas Menthol – minzig, mittlere etwas aufgesetzte Süße, abflachender Abgang. Innert 5 Jahren genießen.

26. D’Yquem: Satte kompakte aber nicht ausladende Nase, feines helleres Karamell, Orangenmarmelade, Vanille, etwas Safran, schöne Tiefe & Komplexität, Riccola, gewinnt deutlich mit Luft. Am Gaumen wuchtig mit leicht spürbarem Alkohol, kompakt, buttrig, feine Botrytisnoten, Touch Rosinen & Melasse, reife Säure, tief, im sehr langen Abgang deutliches Bitterkaramell, aber auch wieder leicht alkoholisch, die typische Eleganz eines Yquem fehlt mir etwas bei dieser Flasche, trotzdem ein klasse Wein. Diese Flasche 10+ Jahre.

sigi hiss, wein-sigihiss – einsiedeln
© by Helmut Knall
last modified: 2007-11-04 14:54:21

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