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Hvar nicht nur der Sonne wegen.

Hier wächst auch Plavac Mali und Lavendel.

Eine Insel zum verlieben. Sonne, Strände, würzige Speisen, duftender Lavendel, gastfreundliche Leute und völlig wahnwitziger Weinbau. Auf extrem steilen Hängen stehen Bonsai-Rebstöcke auf blanken Felsen und liefern den kraftvollen Plavac Mali. Auf nach Hvar.

Hvar nicht nur der Sonne wegen.
Vom Meer bis auf 600m Seehöhe wächst der Plavac.
Bildergalerie
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Verkostungsnotiz


Mit achtzig Kilometern ist Hvar eine der längsten Inseln der Adria und ein besonderer Ort für autochthone Weine. Das Eiland hinterlässt nicht nur mit seinen Weinen einen langen Abgang.

Wieso eigentlich Hvar? Ja natürlich des Weins und der Natur wegen … Als wir im letzten Winter eine Verkostung der autochthonen dalmatinischen Sorte Plavac mali (Kleine Blaue) organisierten, war das Ergebnis sowohl eindeutig als auch anregend: Die besten Weine stammten von Hvar. Ein guter Grund, diese Insel genauer unter die Lupe zu nehmen. Walter Tucek, Wein-Autor der ÖGZ und Helmut Knall bereuten es nicht.

Es ist eine Wein-, Natur- und Duftinsel. Von überall wehen einem Wolken von Rosmarin, Lavendel, Oregano, Salbei, Liebstöckel, Anis oder Fenchel entgegen, vermischt mit dem harzigen Aroma der Pinien und dem Geruch des heißen Kalksteins. In Südfrankreich sagt man dazu „Garrique“, und wie in der Luft findet man es auch im Wein. Hier auf den adriatischen Inseln könnte man dieses Aromenbündel vielleicht „Garic“ nennen.

Mehr als 101 Dalmatiner.

Spaß beiseite: Es ist jetzt erst etwas mehr als hundert Jahre her, als es auf der Insel Hvar gute 5.000 Hektar Reben gab. Dann kam die Reblaus. Heute sind es gerade einmal 350 Hektar. Die Krise durch einen aus Amerika stammenden Wurzelschädling war gewissermaßen „das Ende der Welt“ für die vom Weinbau abhängige Insel, welche gerade erst durch ein Handelsabkommen zwischen der Donaumonarchie und Italien einen schweren Rückschlag erlitten hatte und im italienischen Wein billige Konkurrenz in Wien und Budapest bekam.

Es begann eine Auswanderungswelle, welche gewiss nicht nur auf diese ökonomische und önologische Katastrophe zurückzuführen ist. Hier schätzt man, dass bis in die fünfziger Jahre fast die Hälfte der Bevölkerung ausgewandert ist, nach dem Zweiten Weltkrieg gingen viele auch aus politischen Gründen. So manche Dalmatiner sind in Kalifornien, Australien und Neuseeland wieder Winzer geworden.

Auf den Wein-Schatzinseln.

Auf den Wein-Schatzinseln.
Kleinbeerig mit wenig Ertrag aber viel Extrakt und Tannin.


Es ist erst unlängst bewiesen worden, dass Zinfandel oder Primitivo oder Dobricic oder Crlenjak Kastelanski der direkte Vorfahr der heute wichtigsten autochthonen Rotweinsorte Dalmatiens, des Plavac mali, ist. Der locker- und dunkelbeerige Schatz der Weingärten von Hvar wird oft in bodennaher Stockkultur gezogen und auf geeigneten Böden nur einmal im Leben gepflanzt: Weingärten mit 60, 70, 80 oder mehr Jahren sind keine Seltenheit. Bei den Weißweinsorten gibt es mit Posip (entspricht laut Hugh Johnson Furmint), Bugdanusa und Vugava (fast nur auf der Nachbarinsel Vis, wurde von Jancis Robinson als Viognier bezeichnet) eine eigenständige Sortenpalette.

Interessante Weine gibt es auch als Cuvées mit internationalen Rebsorten wie Sauvignon blanc oder Gelber Muskateller (Zuti Muskat). Etwas „Internationalität“ wird in Sachen Rotwein ebenfalls spürbar, etwa beim Sveti Klement von Tomic, dessen Cabernet- und Merlot-Anlagen auf den Hvar vorgelagerten Pakleni Otoci (Hölleninseln) voriges Jahr in Ertrag gekommen sind. Sonst aber gibt auf Hvar eindeutig Plavac mali den Ton an – was man im Sinne von unverwechselbaren, sprich gebietstypischen Weinen nur begrüßen kann. Es wird heute um die „Nationalsorte“ ein gewaltiger Kult betrieben. In den begehrtesten Lagen kostet ein Kilo Trauben 3 Euro, und man braucht bis zu drei Kilo der sehr trockenen Beeren pro Bouteille. Deshalb ist wirklich guter Plavac nicht gerade billig.

Ivan Dolac heißt kein Mensch.

Ivan Dolac heißt kein Mensch.
Es ist fast unglaublich auf welchen Steillagen hier gearbeitet wird.


Die „kultigsten“ Lagen für große Rotweine finden sich an der Südküste und sind nur durch einen abenteuerlichen, einspurigen Tunnel zu erreichen: Nach der Ortschaft Zavala, wo vor allem Weißweine wachsen, erreicht man Ivan Dolac. Mancher mag vermuten, dass es sich dabei um einen Winzer handelt – weit gefehlt: Ivan Dolac ist ein Ort und bedeutet „Senke des Ivan“.

Über dem Dorf am Meer erstrecken sich die Weingärten bis auf eine Höhe von 600 Metern auf dem steil aufragenden Kalkstein-Felsmassiv. Ivan Dolac ist ein „Grand Cru“ des Plavac, ähnlich wie Dingac auf der nahen Halbinsel Peljesac. Hier wie dort liegen die Weingärten in abenteuerlicher Steillage und waren vor dem Tunnelbau nur mit Eseln oder Mulis über den Grat des zum Meer abfallenden Berges zu erreichen. Heute kann man etwas bequemer in die hochgelegenen Rebanlagen, meist in sehr kleinen Parzellen angelegt, gelangen: nämlich im ersten Gang eines robusten Geländewagens.

Wer einmal im Weinberg von Ivan Dolac herumspaziert ist, dem ist klar, warum die Trauben von diesen Stöcken teuer sind. Die Reben haben hier nämlich vor allem eines: Stress. Der Boden ist karg, die Humusschicht nur wenige Zentimeter dick, und dann beginnt der Kalkstein. Die Steilheit ist mit manchmal mehr als 60% abenteuerlich zu nennen. Vom Frühsommer bis zur Lese regnet es so gut wie nie, sodass die Pflanzen für Wasser auf eine gute Wurzelbildung angewiesen sind. Deshalb gibt es bei Junganlagen immer größere Ausfälle. Durch die niedrige Stockkultur wirken die Rebstöcke wie Bonsais und sind tatsächlich sehr kleinwüchsig: Eine 30-jährige Anlage würde man als Mitteleuropäer vielleicht halb so alt schätzen.

Die Weine dieser südlichen Sorte sind kraftvoll, manchmal barock zu nennen, mit einer prägnanten Würze und einer klaren, waldbeerigen Frucht. Als wichtigster Erzeuger ist PZ Svirce zu nennen, der vom Ivan Dolac mehrere Qualitäten anbietet, klassisch im Stahltank und mit 18 oder 24 Monaten in neuen französischen Barriques ausgebaut. Auch als „Kasna Berba“ (Spätlese), womit in besonderen Jahren fast schon an Vintage Ports erinnernde rote Süßweine gekeltert werden, zeigt der Plavac mali vom „Grand Cru“ Ivan Dolac Charakter und Terroir.

Besonders seit dem Jahrgang 2004 (der als eher klein angesehen wird, aber gerade deshalb nicht so wuchtige „Weinmonster“ hervorbrachte) gelingen dem „Négociant-Élèveur“ (der zur Badel-Gruppe gehört) immer bessere Weine. Das liegt auch an den Investitionen wie modernen Gärständern aus Eiche und Stahl, die Schritt für Schritt gesetzt werden. Die größten Investitionen liegen aber für Svirce Geschäftsführer Andrija Caric (Bild oben) in den Trauben und den Verträgen mit den Traubenlieferanten. Bei einer Stockdichte von ca. 7.000 und einem Ertrag von ca. 600 g pro Stock ist der Ertrag mit über 4.000 Kilo gar nicht so niedrig; wenn daraus aber nur 1.500 Flaschen werden, schon. Und es sollte erwähnt werden, dass in Ivan Dolac seit jeher niemand Pesti-, Fungi- oder sonstige -zide verwendet: Hier ist es auch dem Schimmelpilz zu karg.


Der Mann mit dem goldenen Riecher.

Der Mann mit dem goldenen Riecher.
Weingarten direkt über dem Meer.
Zlatan Plenkovic ist Winzer mit einer Vision und dem ausgeprägten Talent, diese umzusetzen: Heuer ist es 20 Jahre her, dass er unter eigenem Namen Qualitätsweine in die Flasche füllt. Zlatan Plavac – unter seinem Vornamen (Zlatan = Gold) sind die Plenkovic-Weine zu den bekanntesten Vertretern der Sorte geworden.

Für das Verständnis der Etiketten (meist ist schwer abzulesen, wie der Winzer heißt) ist es noch erschwerend, dass in Kroatien noch eine Stufe über dem Qualitätswein definiert ist: Vrhunsko Vino, zu Deutsch Spitzenwein. Der Ortskaiser von Sveta Nedjela, dem Nachbardorf von Ivan Dolac, hat das verschlafene Dorf in ein kleines Imperium verwandelt.
Apartments, eine eigene Marina (Segelhafen, der bald viermal so groß werden soll), das eigene Fischrestaurant „Bili Idro“ (oben im Bild) und natürlich die renommierten Weine sind nicht nur für gut betuchte Italiener und ihre Yachten ein Grund zum Ankern. Auch die kroatische Politik und Prominenz gibt sich bei Zlatan Plenkovic die Ehre, dessen größtes Problem ist, nicht genug Wein zu haben.

Die eigenen Rebflächen, die den Hang von Sv. Nedjela prägen, sind mit 50 Hektar doch viel zu klein, um die Nachfrage zu decken. So wird auch viel mit zugekauften Trauben gearbeitet, allerdings nicht im Spitzenbereich. Und wie bei allen Bio-Weingütern (zert. Lt. Bio-Inspecta.ch) stellt sich auch hier die Frage, wie das denn bei den Zulieferern funktioniert…

Unternehmerisch denkend, wie Herr Plenkovic eben einmal ist, hat er vor drei Jahren in Pronajna bei Makarska auf dem Festland einen neuen Weinberg (mit Plavac, Merlot, Shiraz und Zinfandel) angelegt, dessen eigentliche Besonderheit es ist, eine einheitliche Fläche von 17 Hektar zu bilden, was in Dalmatien eine ausgesprochene Seltenheit ist. Dort soll dann auch eine moderne Kellerei errichtet werden, und wahrscheinlich stimmt auch das Timing mit der EU dafür (2008?) Zlatan hat eben schon wieder den richtigen Riecher.



Welcome to Dalmacijaland.

Welcome to Dalmacijaland.
Nur mit den robustesten Geländewagen kommt zu den Weingärten.


Auf Hvar gibt es für jeden Besucher die richtige Gegend: Im Osten um Sucuraj besonders naturbelassen, ist die Insel im Westen rund um die Stadt Hvar sehr touristisch: Sowohl was Aktivitäten wie Geographie betrifft, liegt der Ort Jelsa (Bild oben) genau in der Mitte. Mit Galerien, Lounges, Bars, Discos und sogar einer Weinbar gibt es hier eine gute Auswahl für ein Abendprogramm.

Die erwähnte Weinbar liegt im 1. Stock des „Vertigo“ und bietet neben einer erstaunlich „vogue-technischen“ Atmosphäre inklusive dekorativ drapierter Models auch so manche guten Weine, wenn auch etwas überteuert. Die meisten der interessantesten heimischen Tropfen im Vertigo stellten sich als vom Weingut Tomic stammend heraus. Tochter Jana, die kennen zu lernen wir das Vergnügen hatten, gibt Vorlesungen über englische und skandinavische Literatur in Zagreb und kümmert sich im Sommer um die Vinothek, sehenswert und in der ebensolchen Altstadt von Jelsa gelegen. Der Papa, Andro Tomic, hat starke dionysische Züge und ist auch sonst stark im Wein verwurzelt. Nach dem Studium der Önologie in Zagreb und Paris ist er als früher Partner von Plenkovic und PZ Svirce für den Aufschwung von Hvar als interessantes Weinbaugebiet mitverantwortlich.

Mit der Errichtung eines neuen Kellerei- und Präsentationsgebäudes mitten in Jelsa, das alle Stückerl spielt, zeigt Tomic großes Vertrauen in seinen Wein: Denn bei der Errichtung wurde auf Förderungen verzichtet. Auf den erst seit kurzem erhältlichen Sv. Klement rot (50% Cabernet Sauvignon, 40% Merlot, 10% Cabernet franc) ist man auch schon in der Revue du Vins de France aufmerksam geworden, als er auch gegenüber dem Sassicaia „bella figura“ machte. Herr Tomic stellt auch hochinteressante Süßweine großen Formats her: etwa den subtil-trockenen, aufgespritteten „Hektor“, oder den im Stil eines Vin Santo ausgebauten Prosek „Hektorovic“, der bei der Endrunde der letzten Sommelier-WM brillierte. Vor allem aber haben es uns auch bei Tomic die kraftvollen, trockenen, facettenreichen Weine des „Touriga Nacional“ Dalmatiens, Plavac mali, angetan.

Verkostungsnotizen finden Sie im Wine-Guide.

Alles in Allem spannende Weine auf einer Insel, die aus vielen Gründen eine Reise wert ist. Am besten erreichbar über Split und von dort mit der Fähre. Günstige Flüge gibt es von Sky Europe, HLX oder Croatia-Airlines. Von Wien aus gibt es auch einen sehr günstigen Bus, die Fahrt ist allerdings mühsam.



© by Helmut Knall
last modified: 2007-02-20 13:16:07

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