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Panscherei in Italien.

Ob es wirklich ein neuer Wein-Skandal ist, muss sich erst herausstellen.

Weinskandal in Italien? Sicher ist, dass es Panschereien in Riesendimensionen gibt. Jetzt wird wieder populistisch geschrieben, dass die Boulevard-Pressen rauchen...

Hintergrund
Weblinks


Im Magazin "L'Espresso" wurde von einem neuen "Wein-Skandal" berichtet. 70 Millionen Liter gepanschter Wein seien auf dem Markt. In diesen Weinen - im Billigsektor und Tertrapack-Weinen - sei teilweise Kunstwein, mit Düngemitteln und Salzsäure (!) versetzte Weine etc.

Daneben wird gleich hohe Boulevard-Journalismus-Schule eingesetzt. Da wird gleich vom Olivenöl über Chianti und Brunello bis zum Aceto Balsamico alles im selben Atemzug genannt. Und natürlich gleich an 1986 erinnert, als tatsächlich Menschen an einem mit Methanol versetzten Wein starben oder erblindeten.

Nun vieles davon ist prizipiell richtig. Und es ist gut, wenn es endlich einmal aufgedeckt wird.

Was allerdings in den Medien jetzt passiert, ist eigentlich auch ein Skandal. Unrecherchiert schreiben wieder alle ab.

Hier muss man schon differenzieren.

Denn die grossen Panscher, die angeblich giftige Substanzen in Billigweine gemischt haben (auch hier liegt noch keine offizielle Stellungnahme vor), werden vom L'Espresso nicht genannt. Dabei geht es hier um wirklich gesundheitsgefährdende Substanzen. Und es sind vermutlich wieder einmal dieselben Betriebe, die schon öfter in den Schlagzeilen waren, mit gepanschtem Pinot Grigio, Prosecco etc. Es sind ja immer wieder einige wenige Grosskellereien.

Namentlich genannt werden allerdings prominente Betriebe im Chianti und Brunello-Gebiet, die ihre Weine mit billigerem Sangiovese aus den Abruzzen oder aus Apulien gemischt haben sollen. Beim Brunello geht es vermutlich nur darum, dass mehr als die erlaubten 15% aus anderen Jahrgängen bzw. ein Anteil der prinzipiell erlaubten internationalen Traubensorten, wie Merlot oder Syrah im aktuellen Jahrgang 2003 gefunden wurden. Einige Weine kamen uns bei den Verkostungen im Februar für den heissen Jahrgang 2003 aber auch erstaunlich frisch vor.

Es ist bisher aber nichts bewiesen noch sensorisch feststellbar.

Das ist allerdings nicht gesundheitsschädlich, sondern höchstens betrügerisch, um Weine eben mehr dem Geschmack mancher prominenter Verkoster anzupassen. Und vielleicht, um etwas mehr Menge zu erreichen.

Schaden tut dies nur dem Image der Appelationen bzw. der Betriebe.

Da ich sowieso von Bordeaux zur Vinitaly nach Verona geflogen bin, habe ich vor Ort recherchiert und einige Stellungnahmen seriöser Produzenten und Kollegen bekommen. Die werden in Kürze in einem neuen Artikel zusammengefasst. Bleiben Sie dran.
© by Helmut Knall
last modified: 2008-07-04 21:22:43

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