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Der Tausendsassa.

Alois Kracher präsentierte seine 2000er "en primeur".

Österreichs höchstdekorierter Winzer iszenierte eine Präsentation, wie man sie hierzulande noch nicht erlebt hat. Seine 2000er Serie hat es sich verdient.



Er ist ein Tausendsassa, wie man hier so sagt. Seine Süssweine werden Jahr für Jahr weltweit ausgezeichnet, sie zählen zu den besten der Welt. Er berät Weingüter und Genossenschaften, produziert mit Meinl eine eigene Weinlinie, weckt zusammen mit Manfred Krankl, dem Austro-Californier und Hans Schwarz Andau aus dem Tiefschlaf. Mit Schärdinger erfand er den Käse neu, mit Hans Staud die Weingelees. In Californien enstehen Kracher-Krankl Süssweine, die alle Kritiker entzücken.

Seine Aktivitäten sind so vielfältig wie weltweit. Und doch vergisst er seine Herkunft nie. Seine erstmals veranstaltete "en primeur" Verkostung des Jahrgangs 2000 fand somit auch nicht in einem Wiener Luxushotel statt, sondern im Seewinkel. Ganz knapp an der ungarischen Grenze. Im Hotel und Feriendorf Villa Vita-Pannonie. Drei Tage lang pilgerte die Weinwelt also ins hinterste pannonische Winkerl Österreichs um Krachers Weine verkosten zu dürfen.

Er selbst war eloquent wie immer, beantwortete alle Fragen mit Geduld und Witz und machte so selbst die Veranstaltung zum Erlebnis.

Der Jahrgang 2000 war ein schwieriger Jahrgang für edelsüsse Weine, da durch die extrem warme Witterung die Schalen relativ dick wurden, was einen milchigen Karamell-Ton bewirkt. Gelesen wurde erst Ende November, derzeit sind 27 Hektar im Ertrag.

Die Numerierung ist kein Qualitätskriterium, sondern nur Kennzeichen für die aufsteigende Zuckerkonzentration. Wobei die Anzahl abhängig davon ist, wieviel unterschiedliche Charaktäre an Wein machbar sind. Im Jahr 2000 waren es "nur" 10. Wobei die Nr. 10, eine Welschriesling TBA mit 399,6g/l Restzucker an die Grenze des machbaren geht und Fragen hervorrief, wozu man so etwas brauche. Was Alois Kracher mit einem einfachen: "Stimmt." beantwortete, dann aber zurechtrückte: "Ich wollte einfach zeigen, was hier möglich ist, das geht sonst nirgends auf der Welt. Das ist nur im Seewinkel möglich und darauf bin ich stolz."

Die Bezeichnung "Zwischen den Seen" steht für "klassischen Ausbau" in grossen Holzfässern, "Nouvelle Vague" für die Barrique-Ausbau-Variante, wobei der Wein in den kleinen Fässern vergoren wird und bis zu 24 Monaten darin heranreift.

Die Wertungen von Helmut O. Knall mit Anmerkungen von Alois Kracher:

Beerenauslese Cuvee 2001 12% Alc. Leichter Muskat-Geruch mit einem Hauch von Waldhonig. Am Gaumen leichte zartbittere Aromen, die mit der zurückhaltenden Süsse und der Säure lange dahin spielen. Einfacher, sehr gut gemachter "Alltagssüsswein" mit unglaublich günstigem Preis-Leistungsverhältnis. Ideal für die Gastronomie. 85 Punkte.

Traminer TBA Nr. 1 Nouvelle Vague
14% Alc. 5,6g Säure, RZ: 116,2g
Deutliche Traminerfrucht in der Nase, exotisch nach Mango duftend, aber auch Kräuter und herbe Würze. Herbe Fruchtwürze auch am Gaumen, die mit dem Holz spielt, deutlicher Alkohol wirkt brandig im Abgang, braucht viel Zeit. 88 Punkte.

Kracher: "Ich liebe den Traminer, obwohl er eine schwierige Sorte ist: Mühsam in Weingarten und Keller, gärt schwer durch, aber er hat ein einzigartiges Aroma, maskulin bis herb."


Muskat-Ottonel TBA Nr. 2 Zwischen den Seen.
12,5% Alc. 6,5 g Säure, RZ: 161,1g
typische Muskatnote schon in der Nase, weich und spielerisch mit ein wenig Karamell, am Gaumen schon rund und ausgewogen, mit langem Spiel von Zucker, Säure und Muskatfrucht. 92 Punkte.
"Karamellisierte Orangenschalen, feminin, weich und elegant"

Chardonnay TBA Nr. 3, Nouvelle Vague
12,5% Alc. 6 g Säure, RZ: 178,2 g
Viel Akazien-Honigfrucht in der Nase und am Gaumen, Marille und kräftige Holz-Würze mit viel Fruchtsüsse, endloses Spiel im Abgang. 93 Punkte.

Welschriesling TBA Nr. 4 Zwischen den Seen
11% Alc. 7,3 g Säure, RZ: 212,4 g
Würzige Honig-Nase mit schöner Fruchtnote, Orangeschale und ein wenig weisser Pfeffer, auch am Gaumen erst herb-würzig, dann Frucht, bissl weisser Pfeffer und leicht herb im Abgang, aber spielt endlos dahin. Für mich jedes Jahr einer der besten in der Kollektion, wird aber international oft kontrovers bewertet. 97 Punkte.

Scheurebe TBA Nr. 5 Zwischen den Seen
11,5% Alc. 6,5 g Säure, RZ: 212,8 g
Viel exotische Frucht schon in der Nase, auch am Gaumen spielen Litschi, Pfirsich und Mango mit Gewürznelke und Muskatnuss. Honig-Frucht-Säure, die unglaublich lange anhält. 98 Punkte.

Grande Cuvée TBA Nr. 6 Nouvelle Vague
9,5% Alc. 7,8g Säure, RZ: 233g
Tiefe dunkle Honignase, Waldhonig, Karamell, Waldbeeren und würzige Kräutertöne am Gaumen, schon gut eingebundenes Holz, gut balanciert, viel Finesse. 95 Punkte.

"Unser wichtigster Wein, typisch für Weingut und Jahrgang. Hier streben wir grösstmögliche Konzentration und höchste Finesse an, daher die Cuvee aus Chatdonnay, für die Dichte und Welschriesling für die Finesse."

Chardonnay TBA Nr. 7 Nouvelle Vague
9,5% Alc. 7,8 g Säure, RZ: 233 g
Sonnenblumenhonig, bissl Marille und Karamell sowohl in der Nase, als auch am Gaumen. Vielschichtig mit rassiger Säure, wirkt derzeit breiter als er ist. 94 Punkte.

Welschriesling TBA Nr. 8 Zwischen den Seen
7,5% Alc. 7,2 g, RZ: 314,2 g
Würzige Kräuternase, blumige Frucht, Stollwerk, auch am Gaumen Frucht, Würze, klare Säure, viel Finesse, endloses Spiel, dicht gewoben, mit Struktur, die kaum mehr in Worte zufassen ist. Wird endlos leben. Grossartig. 100 Punkte.

Scheurebe TBA Nr. 9 Zwischen den Seen
6,5% Alc. 7,6 g Säure, RZ: 347.8 g
Eine absolute Fruchtbombe, alles, was einem an exotischen Früchten einfällt spielt hier in Nase und Gaumen mit einer herrlichen Honigsüsse und würzigen Noten. 97 Punkte.

Welschriesling TBA Nr. 10 Zwischen den Seen
5,5% Alc. 7,8 g Säure, RZ: 399,6 g
Fruchtzucker, Marille und Honigmelone, fast dropsig in der Nase, am Gaumen unglaubliche Frucht-Süsse mit immer noch guter Balance und angenehmer Säurestruktur. Wozu man diesen Wein trinkt, ist allerdings eine berechtigte Frage.

Bei diesem Wein war die Konzentration so hoch, dass nicht mehr als 3,8% Alkohol rausgekommen wären. Ich musste ihn daher mit ca. 15% Nr.4 verschneiden, sonst hätten wir ihn nicht als Wein verkaufen dürfen (Lt. Weingesetz muss ein Wein mehr als 5% Alkohol aufweisen)"

Mit dieser Serie hat Alois Kracher wieder einmal seine Vorreiterschaft am Süsswein-Sektor eindrucksvoll demonstriert. Ein Portrait und die Wertungen für die 1999er Serie, die derzeit noch im Verkauf ist finden Sie im Wein-Plus-Magazin und unter Winzer Portraits hier.

Created by Helmut
© by Helmut Knall
last modified: 2007-07-18 13:52:12

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